Es ist nicht zu leugnen, dass viele Menschen tagtäglich mit Anfeindungen aufgrund ihres Geschlechts konfrontiert werden. Wenn das passiert, spricht man von Sexismus. Wir alle dürften sexistische Aussagen oder Aktionen bereits in mehr als einer Instanz erlebt haben, besonders da die UN bereits 2020 mit dem “Gender Social Norm Index” einen Bericht veröffentlichte, wonach knapp 90 Prozent der Weltbevölkerung Frauen gegenüber voreingenommen sind. Während niemand immun gegen Sexismus ist, finden sich nicht-Männer bedeutend öfter in entsprechenden Situationen, in denen wir als anwesende Männer gerne öfter die Stimme heben dürfen.
Von Geburt an privilegiert
Ich bin ein Mann, mir wurde bei Geburt dieses Geschlecht zugewiesen und ich fühle mich wohl damit. Leider ist die Sache mit der Identität nicht für alle Menschen so einfach. Allgemein habe ich als weißer, heterosexueller Mann vielleicht nicht unbedingt Vorteile anderen Personengruppen gegenüber, jedoch bleiben mir unzählige negative Erfahrungen erspart. Niemand verlangt von mir eine Erklärung zu meiner Identität, meiner Sexualität oder meiner Person, niemand macht ein großes Thema daraus. Mit diesem Privileg geht eine gewisse soziale Verantwortung einher.
Oftmals wird Sexismus durch Humor getarnt, etwa Witze darüber, dass Frauen in die Küche gehören, nicht Einparken können oder besonders sensibel sind. Witze an sich sind meist unschuldig, jedoch schwingt beim Erzählen dieser Witze immer eine subtile Nachricht mit: “Ich amüsiere mich an der benachteiligten Stellung von Frauen in unserer Gesellschaft.” Wenn so ein Gag den Weg an den Stammtisch findet, hat man meist drei Möglichkeiten darauf zu reagieren: lachen, nicht lachen, Stimme erheben.
Ist an diesem Tisch noch Platz für Sexismus?
Anhand der gewählten Reaktion sendest auch du direkt eine Botschaft an den Rest des Tisches. Du kannst signalisieren, dass diese Art von Belustigung auf Kosten anderer für dich nicht in Ordnung ist, oder eben nicht. Wenn wir von Mann zu Mann signalisieren, dass wir gewisse Verhaltensweisen nicht schätzen, leisten wir aktiv einen Beitrag dazu Sexismus in unserer Gesellschaft zu bekämpfen. Das geht ganz einfach, respektvoll und in guter Absicht.
Um eine Umgebung zu verändern muss man die geltenden Regeln ändern. Deswegen sollten wir Männer uns mal an der Nase nehmen, und vielleicht auch mal in unserem Bekanntenkreis absichtlich nicht mitlachen. Sexismus ist nämlich nicht lustig. Es ist eine Sache Witze über Klischees zu reißen, bei denen alle mitlachen können; jedoch eine komplett andere Sache, wenn eine Person sich aufgrund ihrer Geburtsurkunde auf ein Leben voller geschmackloser Bemerkungen und Witze einstellen kann.

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